Spielzeugrotation nach Montessori: Mein Geheimtipp für besseres Spielen

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Die Montessori Spielzeugrotation hat uns Zeit, Geld und Nerven gespart! Und daher ist es mein persönlicher Geheimtipp für ein intensives und konzentriertes Spielen – und weniger Spielzeugchaos im Kinderzimmer.

Eine Studie der University of Toledo belegt das: In einer Untersuchung wurden Kinder beobachtet, die entweder mit 4 oder 16 Spielzeugen in einem Raum spielten. Es zeigte sich, dass Kleinkinder, die nur vier Spielzeuge zur Verfügung hatten, sich intensiver damit auseinandersetzten und mehr Zeit zum Erkunden verwendeten, im Vergleich zu denen, die 16 Spielzeuge hatten.

Interessanterweise verfügten die Familien in der Studie durchschnittlich über 90 verschiedene Spielzeuge (wir sicherlich auch!). Doch die Montessori-Methode geht einen anderen Weg und plädiert für einen minimalistischen Ansatz.

Sie empfiehlt, eine reduzierte Auswahl an Spielzeugen übersichtlich auf niedrigen Regalen zu präsentieren. Dies bedeutet nicht, dass du Spielzeug entsorgen oder verschenken musst!

Vielmehr geht es darum, einige Spielzeuge beiseite zu legen und andere hervorzuholen – eine hervorragende Gelegenheit auch zum Aussortieren und Weitergeben. Durch diese Rotation bleibt das Spielzeug für dein Kind stets neu und spannend!

Und ich erkläre dir ganz genau, wie es funktioniert und wie wir es anwenden!

In diesem Artikel:

  • Montessori-Pädagogik in Kürze erklärt
  • Was Spielzeugrotation ist und wie es funktioniert
  • Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
  • Und weitere Tipps für eine vorbereitete Spielumgebung

>> Lies hier: Ich habe eine ultimative Liste mit unserem Montessori Lieblingsspielzeug für Kinder von 0-6 Jahren erstellt.

>> Lies hier: Was der Unterschied zwischen Montessori Material und Spielzeug ist und welche die beliebtesten Materialien für Zuhause sind.

Montessori-Grundlagen

Die Montessori-Pädagogik wurde von Dr. Maria Montessori entwickelt und ist eine Erziehungsmethode, die Kinder als Individuen betrachtet. Sie benötigen eine vorbereitete (und liebevolle) Umgebung und ausreichend Freiraum, um sich zu gesunden und selbstständigen Persönlichkeiten zu entwickeln.

>>> Lies hier: Was ist eine vorbereitete Umgebung und eine Checkliste auf welche Elemente du achten solltest.

Durch sorgfältige Beobachtung, kannst du dein Kind dabei unterstützen, seine eigenen Interessen und Bedürfnisse zu entdecken. Du kannst dann gezielt Montessori Materialien und Aktivitäten zur Verfügung stellen, die es deinem Kind ermöglichen, wichtige Fähigkeiten zu erlernen und es dadurch in seiner Entwicklung fördern.

Ein zentrales Element der Montessori-Methode ist die sogenannte Spielzeugrotation (zu englisch: Toy Rotation). Und mein absoluter Geheimtipp! Wenn ich diese Routine aufrechterhalte (und zugegeben, es fällt mir nicht immer leicht), dann spielt mein Sohn viel konzentrierter und selbstständiger.

Offenes Regal mit Montessori Material
Bildquelle: Instagram @montessoriforhome

Was ist Spielzeugrotation und wie funktioniert es genau?

Bei der Montessori Spielzeugrotation geht es darum, nur einige wenige Spielzeuge ins Regal zu stellen. Die anderen Spielsachen werden weggeräumt und in regelmäßigen Abständen ausgetauscht.

Die Spielzeugrotation basiert auf der Idee, dass die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zum intensiven Spielen zunimmt, je weniger Spielzeug vorhanden ist. Außerdem kannst du diese Methode nutzen, um ein organisiertes und harmonisches Kinderzimmer einzurichten – für dein Kind (und dich selbst!). Ich schwöre darauf!

Das Auswechseln der Spielsachen kann alle paar Wochen (aber nicht öfter als einmal pro Woche) erfolgen. Im Grunde immer dann, wenn du merkst, dass dein Kind das Interesse an den aktuellen Spielsachen verliert, nicht mehr ganz so konzentriert damit spielt – oder auch dir das Spielzeugchaos zu viel wird!

Eine der wichtigsten Fragen: Wie viel Spielzeug darf ausliegen? Als Daumenregel gilt: Für Babys unter 1 Jahr, sollten es so viele Spielsachen sein, wie dein Baby in Monaten alt ist. Also mit 12 Monaten dürfen es dann auch 12 Spielzeug-Angebote sein (ein Entdeckerkorb mit 3 Gegenständen gilt dann als eine Aktivität), ideal sind 9-12 Spielzeuge. Das gilt auch für Kleinkinder bis 3 Jahren.

Mein Sohn ist jetzt 4 Jahre alt und ich zähle seine Spielsachen nicht ab. Stattdessen beobachte ich, wie er mit dem Spielzeug, das er gerade ausliegen hat, spielt und entscheide danach.

Grundsätzlich wird Spielzeugrotation nach Montessori bis zum 6. Lebensjahr empfohlen. Dann beginnt die nächste Entwicklungsphase deines Kindes, es entwickelt feste Interessen und Hobbies – und möchte sicherlich ein Wörtchen mitreden!

Mein Sohn (7 Monate) mit 3 Spielzeugen
Mein Sohn (7 Monate) spielt konzentriert mit wenigen Spielsachen.

Die Links zu den Spielzeugen, findest du im Spielzeug-Leitfaden.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Spielzeugrotation nach Montessori

Hier sind die Schritte, die du befolgen kannst, um die Spielzeugrotation nach der Montessori-Methode durchzuführen:

Vorbereitung der Spielzeugrotation

Schritt 1: Beobachte dein Kind

Beobachte es ein paar Tage, mit welchem Spielzeug es spielt, was es bereits beherrscht und welche Materialien es nicht benutzt. Notiere deine Beobachtungen.

Schritt 2: Betrachte die ungenutzten Materialien

Sind sie alters- und entwicklungsgemäß? Wenn nicht, räume sie weg. Wenn ja, braucht dein Kind vielleicht eine Anleitung, wie man das Material benutzt, oder könntest du es gemeinsam verwenden, um Interesse zu wecken?

Schritt 3: Überlege, was der nächste Schritt ist

Welche Fähigkeiten wird dein Kind als nächstes erlernen? Gibt es Spielzeug, das du jetzt bestellen könntest, um es bereitzustellen, wenn das Kind diese Fähigkeiten beherrscht?

Ich habe meist schon das eine oder andere Spielzeug im Schrank bereit, das in den nächsten Wochen oder Monaten, also dem nächsten Entwicklungsstadium, relevant wird.

Ich beobachte auch, woran mein Kind aktuell Interesse hat. Wie kann ich Schnürsenkel zubinden, Vulkane oder Leuchttürme (das hat meinen Sohn alles fasziniert) aufgreifen und ihm eine Spiel- und Erforschungsmöglichkeit dazu gestalten?

Durchführung der Spielzeugrotation

Schritt 4: Beziehe dein Kind ein oder tue es in seiner Anwesenheit

Je nach Alter deines Kindes, solltest du es in die Spielzeugrotation einbeziehen (ab ca. 3 Jahren) oder es zumindest in seiner Anwesenheit durchführen. Und rotiere niemals alle Spielzeuge auf einmal.

Es hat manche Spielzeuge lieb gewonnen, sie dienen als konstante Orientierungspunkte, die Sicherheit geben. Dein Kind soll nicht eines Morgens aufwachen und feststellen, dass sein gesamter Spielbereich verändert wurde.

Meinem 4-Jährigen Sohn sage ich dann: “Mir macht das Spielen mehr Spaß, wenn es hier ordentlich ist. Lass uns gemeinsam schauen, welche deiner Spielsachen du aktuell nicht brauchst und sie in den Keller wegräumen.” Bisher ohne Widerspruch.

Im Internet liest man häufig den Tipp, es doch besser in Abwesenheit des Kindes zu tun und ehrlichgesagt, erscheint es mir auch manchmal der leichtere Weg zu sein. Aber das ist ein Denkfehler!

Ich finde es auch leichter, die Wäsche schnell selbst zu erledigen oder schnell mal ein Essen zu kochen, ohne dass mein Sohn ständig etwas verschüttet. Bringt es mich und mein Kind weiter? Ich habe all die Arbeit, die anderen Familienmitglieder lernen nicht sich am Haushalt zu beteiligen und auch sonst nichts für’s praktische Leben.

Schritt 5: Behalte immer die meistgenutzten und beliebtesten Spielzeuge

Wenn dein Kind ein bestimmtes Spielzeug sehr mag, lass es auf dem Regal. Nimm es erst aus der Rotation heraus, wenn es das Interesse daran verloren hat. Manche Lieblingsspielsachen können auch für ein Jahr oder länger im Regal bleiben.

Mein Sohn wusste sofort, welche seiner Lieblingsspielsachen bleiben müssen, diesen haben wir dann einen besonderen Ort im Kinderzimmer zugewiesen. Im Idealfall, bleiben die Spielsachen, die nicht rotiert werden, an denselben Orten wie zuvor.

Mein Sohn weiß auch, dass er die weggeräumten Spielsachen jederzeit wieder holen darf, wenn er ein anderes Spielzeug im Gegenzug wegbringt.

Schritt 6: Kaputtes und unvollständiges Spielzeug kommt weg

Entferne alle Spielzeuge mit fehlenden oder kaputten Teilen. Ein Spielzeug, das nicht mehr richtig funktioniert oder zerstört ist, hat keine Qualität.

Dieser Schritt klingt so simpel, aber ich tue mich ehrlichgesagt sehr schwer damit. Ein Spielzeugauto bei dem ein Rad fehlt und das mein Sohn trotzdem lieb gewonnen hat – was tue ich damit?

Ich versuche es so zu lösen, dass ich gemeinsam mit meinem Sohn versuche es zu reparieren (meistens zusammenzukleben). Wenn es irreparabel ist, dann muss es weg. So kann ich ihm vorleben, dass kaputte Dinge, nicht sofort Wegwerfware sind.

Schritt 7: Manche Spielsachen behalten und neuen Ort zuweisen

Und dann gibt es da noch das Montessori Spielzeug, von dem du dir wünschst, dass es genutzt wird oder es dem aktuellen Entwicklungsstadium entspricht, aber an dem dein Kind wenig Interesse zeigt.

Du könntest den Standort nochmal wechseln um vielleicht doch nochmal das Interesse zu wecken. Wenn es nicht funktioniert, kannst du das Spielzeug zu einem späteren Zeitpunkt nochmal anbieten.

Es mag dich verwundern, wenn dein Kind plötzlich wieder Begeisterung für ein altes Spielzeug zeigt. Oft finden Kleinkinder Freude daran, zu Spielzeug zurückzukehren, das dir möglicherweise “zu einfach” vorkommt. Doch durch Wiederholungen lernen und erforschen sie neue Spielvarianten mit ihren altbewährten Lieblingen.

Schritt 8: Verstaue das aussortierte Spielzeug an einem anderen Ort

Das Prinzip der Spielzeugrotation setzt voraus, dass das aussortierte Spielzeug “an einem anderen Ort” gelagert werden kann. Dabei braucht es nicht unbedingt einen Dachboden oder Keller!

Du kannst auch die Spielsachen in Boxen hinter/unter dem Sofa verstauen oder in hoch-hängenden Regalen, die außer Sicht- und Reichweite deines Kindes sind. Wenn es sie nicht sieht, denkt es nicht mehr daran.

Tipps zum Ordnungssystem findest du weiter unten im Artikel.

Präsentation der Spielzeuge

Schritt 9: Halte Ordnung und gestalte den Spielbereich ansprechend

Ordnung ist ein wesentliches Elemente der Montessori-Pädagogik. Sorge also dafür, dass der Spielbereich deines Kindes stets aufgeräumt und übersichtlich ist. So bleibt die Umgebung angenehm und einladend und dein Kind kann sich voll auf die aktuell ausgewählten Spielsachen konzentrieren.

Du hast jetzt eine Auswahl an Spielzeug, das in diesem Moment für dein Kind interessant ist – oder sein könnte- und die seinem Entwicklungsstand entspricht. Am besten ordnest du es nun nach thematischen Kategorien, wie z.B. Bauen, Basteln, Puzzles, Musikinstrumente, Bücher, usw. Meine Kategorien findest du weiter unten im Artikel.

Maria Montessori empfiehlt, die wenigen Gegenstände geordnet auf niedrigen Regalen mit Freiräumen dazwischen bereitzustellen. Wie sind diese für dein Kind zugänglich? Oder anders gefragt: Muss es erst eine Kiste mit zig Kleinteilen auf dem Boden ausschütten, bevor es das findet, womit es spielen möchte?

Besser ist es, wenn du kleine Körbe oder Tabletts nutzt, um vor Allem Kleinteile übersichtlich einzuräumen. Eine unfertige Lego-Feuerwehrwache meines Sohnes hat zum Beispiel ihren Platz auf einem Tablett. So kann er dieses aus dem Schrank herausnehmen, um daran weiterzubauen oder damit zu spielen. Und keine losen Teile liegen auf dem Boden herum.

Fördere die Selbstständigkeit deines Kindes, indem du es ermutigst, das Spielzeug nach dem Spielen an den richtigen Platz zurückzulegen. In der Praxis: Das klappt mal besser, mal schlechter.

Schritt 10: Einladung zum Erkunden und Spielen

Das Spielzeug soll eine Einladung zum Spielen und Erforschen sein. Wie spannend, ist da ein bereits zusammengestecktes Puzzle im Rahmen oder ein Legoset, das noch in der Originalverpackung steckt? Betrachte die Spielzeuge und nehme sie gegebenenfalls auseinander, um sie dann ansprechend zu präsentieren.

An dieser Stelle, weiche ich manchmal von Montessori-Purismus ab. Montessori legt viel Wert darauf, eine isolierte Fähigkeit durch häufige Wiederholung zu erlernen. Meist ist das der Zweck von Montessori Material, im Gegensatz zu Montessori-inspiriertem Spielzeug, das offenes und vielfältiges Spielen fördert.

Ich schaffe also gerne auch “kleine Spielwelten” als Einladung zum Spielen. Ich schreibe nochmal einen gesonderten Beitrag darüber.

Insgesamt hilft die Montessori Spielzeugrotation deinem Kind dabei, sich auf bestimmte Spielzeuge zu konzentrieren und so eine tiefere Auseinandersetzung und ein besseres Verständnis dieser zu entwickeln. Durch regelmäßige Rotation wird zudem stets für Abwechslung und neue Lernmöglichkeiten gesorgt.

Weitere Tipps für Montessori Spielzeugrotation

  • Rotiere auch Bücher und andere Gegenstände: Gleiches gilt für Bücher, Gegenstände in Entdeckungskörben, Musikinstrumente im Musik-Korb. Rotiere, was nicht benutzt wird und behalte die Favoriten.
  • Rotiere auch große Spielzeuge: Dasselbe gilt auch für Lauflernwagen, Dreirad & Co. Auch unsere Matchküche kommt im Winter in den Keller. Wenn es nicht benutzt wird, kann es rotiert werden.
  • Rotiere auch Pflanzen und Kunstwerke: Die vorbereitete Umgebung nach Montessori ist häufig mit Pflanzen und Kunstwerken (auf Augenhöhe deines Kindes) verschönert. Auch diese können ab und an ausgetauscht werden.
  • Schlecht-Wetter-Koffer anlegen: Nach dem Prinzip der Spielzeugrotation kannst du auch Boxen oder z.B. einen alten ausrangierten Koffer zusammenstellen für besondere Anlässe. Ich habe von einem Schlecht-Wetter-Koffer gelesen – und finde es genial! Wir gehen zwar bei jedem Wetter raus, aber wenn man einmal mehrere Tage Zuhause bleiben muss (z.B. Kind hat eine ansteckende Krankheit, fühlt sich aber ganz normal), dann kann man diesen Koffer mit vorbereiteten Spielsachen und Aktivitäten rausholen und sie sind neu und aufregend und beschäftigen dein Kind wieder auf ganz neue Weise als die “alten” Spielsachen.
Montessori Spielzeugrotation funktioniert mit Büchern genauso
Bücher werden genauso aussortiert und rotiert.

Vorteile der Spielzeugrotation

Die Spielzeugrotation bietet zahlreiche Vorteile für dich und dein Kind:

  • Förderung der Konzentration und des Interesses: Durch die Rotation von Spielzeugen kann dein Kind sich besser auf einzelne Spielsachen konzentrieren und intensiver in sein Spiel eintauchen.
  • Entwicklung von Geduld und Ausdauer: Die Spielzeugrotation fördert die Geduld und Ausdauer des Kindes, da es lernt, mit einer begrenzten Auswahl an Spielzeugen kreativ umzugehen.
  • Erhöhung der Kreativität: Da Kinder mit einer kleineren Auswahl an Spielzeugen spielen, sind sie gezwungen, ihre Fantasie und Kreativität einzusetzen, um neue Spielmöglichkeiten zu entdecken.
  • Förderung der Unabhängigkeit: Die Spielzeugrotation ermutigt dein Kind, selbstständig zu spielen und Entscheidungen über seine Spielaktivitäten zu treffen.
  • Reduzierung von Unordnung: Durch die Rotation wird die Unordnung in der Spielumgebung reduziert, was den Reinigungsprozess erleichtert und Stress für dich verringert.
  • Wertschätzung der Spielsachen: Wenn Kinder nur Zugang zu einer begrenzten Anzahl von Spielzeugen haben, lernen sie, diese mehr zu schätzen. Wenn dein Kind immer wieder neue Spielsachen entdeckt, bleibt die Begeisterung dafür frisch und lebendig.
  • Förderung der kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung: Durch die stetige Rotation der Spielsachen wird dein Kind dazu angeregt, verschiedene Fähigkeiten zu entwickeln und neue Dinge auszuprobieren. Da jedes Spielzeug in der Regel auf unterschiedliche Aspekte der kindlichen Entwicklung abzielt, kann die Rotation dazu beitragen, dass dein Kind eine Vielzahl von Lernerfahrungen sammelt.
  • Einsparung von Geld: Da Kinder durch die Rotation von Spielzeugen immer wieder mit “neuen” Spielsachen konfrontiert werden, sind sie weniger geneigt, ständig neue Spielzeuge zu verlangen.

Insgesamt trägt die Spielzeugrotation nicht nur zu einer angenehmeren Lernumgebung bei, sondern unterstützt auch wichtige Entwicklungsschritte deines Kindes. Durch das gezielte Rotieren der Spielsachen förderst du die Unabhängigkeit, die Problemlösungskompetenz und den Entdeckungsdrang deines Kindes.

Auswahl geeigneter Spielzeuge

Bei der Montessori Spielzeugrotation geht es darum, das passende Spielzeug für dein Kind auszuwählen. Dabei spielen Montessori-Materialien und pädagogische Aspekte eine wichtige Rolle. Hier sind einige Tipps, um geeignete Spielzeuge für die Montessori Spielzeugrotation zu finden:

Zuerst solltest du auf natürliche Materialien achten. Montessori Spielzeug besteht oft aus Holz und anderen natürlichen Materialien. Diese fördern die sensorische Erfahrung deines Kindes und sind langlebiger als Kunststoffspielzeug. Holzspielzeug, wie zum Beispiel Bausteine oder Puzzles, sind eine gute Wahl für die Spielzeugrotation.

Achte darauf, dass das Spielzeug altersgerecht ist. Montessori Spielzeug wird in der Regel nach Altersgruppen eingeteilt und unterstützt die jeweiligen Entwicklungsphasen deines Kindes. Für Kleinkinder eignen sich zum Beispiel einfache Steckspiele oder Bauklötze, während ältere Kinder von komplexeren Puzzles und Lernmaterialien profitieren.

Montessori-Materialien, wie zum Beispiel Sinnesmaterialien oder die berühmten Montessori-Perlen, sollten ebenfalls in die Spielzeugrotation einbezogen werden. Diese Materialien wurden speziell entwickelt, um die verschiedenen Sinne und Fähigkeiten deines Kindes zu fördern und individuelles Lernen zu ermöglichen.

Neben den klassischen Montessori Spielzeugen sollten auch andere Spielzeuge berücksichtigt werden, die förderlich für die Entwicklung deines Kindes sind. Dazu gehören zum Beispiel Bücher oder Spiele, die die Feinmotorik und Kreativität fördern, wie Knete oder Malzubehör.

Variiere das Spielzeugangebot regelmäßig, um dein Kind immer wieder neu zu fordern und seine Interessen zu wecken. Eine gute Mischung aus verschiedenen Spielzeugkategorien, wie beispielsweise Bauklötze, Puzzles, Bücher und kreativem Material, ermöglicht deinem Kind ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Spiel- und Lernerlebnis.

Mein Sohn A. erkundet Musikinstrumente beim Auswechseln seiner Montessori Spielzeuge
Für mehr Realität: Mein Sohn A. räumt gerade die Musikbox aus. Später durften ein paar Musikinstrumente bleiben und ein paar nicht.

Planung und Organisation von Spielzeugrotationen

Bei der Montessori Spielzeugrotation ist es wichtig, dass du die richtige Planung und Organisation sicherstellst. Es hilft mir dabei, das Spielen und Lernen meines Kindes besser zu unterstützen und gleichzeitig die Umgebung aufgeräumt zu halten (zugegeben: nicht meine Stärke!).

Ich beginne damit, dass ich einen kleinen Zeitplan habe, um festzulegen, wie oft ich die Spielzeuge (in etwa) rotieren lassen möchte. Als mein Sohn kleiner war (und ich noch in Elternzeit), war das ca. alle 2-3 Wochen, jetzt eher einmal im Quartal.

Ich habe einen kleinen Spickzettel mit Kategorien bzw. Entwicklungsbereichen, die ich fördern möchte. Aber im Grunde kannst du die Spielzeuge nach den unterschiedlichsten Kriterien organisieren, beispielsweise nach Farben, Formen, Materialien oder Themen.

Meine Kategorien:

  • Sensorik
  • Musik
  • Mathe
  • Sprache
  • Bewegung
  • Feinmotorik
  • Kreativität
  • Logik
  • Übung des täglichen lebens
  • Freispiel
  • Rollenspiel

Jede Gruppe sollte eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Spielzeugtypen enthalten. Ich habe zu Beginn versucht aus jeder Kategorie je ein Montessori Spielzeug oder Material anzubieten, aber das war in der Praxis einfach unmöglich und hat mich unter Druck gesetzt.

Jetzt achte ich einfach darauf, welcher dieser Entwicklungsbereiche gerade für meinen Sohn im Vordergrund steht und versuche ab und an, dann auch einen anzubieten, der vernachlässigt wurde.

Außerdem setze ich auch immer wieder Themen. Als mein Sohn ein Kleinkind war, habe ich z.B. die Spielsachen nach Farben oder Formen angeordnet. Jetzt gibt es manchmal Themenwochen, wie z.B. Jahreszeiten, Insekten, Weltraum, …

Vergiss nicht, dass die Umgebung ebenfalls wichtig ist: Du kannst die Spielzeugrotation auch im Wohnzimmer, im Kinderzimmer oder sogar in der Küche einrichten. Das Wichtigste ist, dass du eine Umgebung schaffst, in der dein Kind sich wohlfühlt und gerne spielt.

Weitere Tipps: Eine Montessori Umgebung zu Hause einrichten

Wenn du eine Montessori-Umgebung zu Hause einrichten möchtest, ist es wichtig, deinem Kind die richtige Umgebung zu schaffen. Es sollte gemütlich, ordentlich und leicht zugänglich sein, und deinem Kind selbstständiges Lernen und Ausprobieren ermöglichen.

Beginne damit, den Spielraum so zu gestalten, dass er dem Kind Raum zum Lernen und Entdecken gibt. Eine gute Idee ist es, den Raum in verschiedene Bereiche aufzuteilen, in denen das Kind verschiedene Aktivitäten durchführen kann, wie z.B. Malen, Bauen oder Rollenspiele (siehe Kategorien oben).

Gestalte den Raum so, dass er Bodenmatten oder Teppiche enthält, damit sich das Kind gemütlich hinsetzen und konzentrieren kann.

Die Montessori-Methode legt großen Wert auf die Eigenverantwortung des Kindes, daher sollten die Spielzeuge und Materialien in Regalen oder Körben aufbewahrt werden, die leicht zugänglich sind und auf der Höhe des Kindes liegen.

Bei der Gestaltung der Montessori-Umgebung zu Hause solltest du auch auf die Dekoration achten. Es ist wichtig, eine beruhigende und inspirierende Atmosphäre zu schaffen, die das Kind in seiner Entwicklung unterstützt.

Verwende natürliche Materialien und Farben, die Ruhe ausstrahlen. Achte darauf, dass der Innenbereich nicht überladen ist, um Ablenkungen für das Kind zu minimieren.

Achte darauf, das gesamte Zimmer und Zuhause aufgeräumter aussehen zu lassen. Auch in den anderen Räumen, soll Ordnung und Minimalismus herrschen, damit das Auge und Kind zur Ruhe kommen kann.

Sortiere den Kleiderschrank deines Kindes nach Saison, um eine übersichtliche und leicht zugängliche Auswahl an Kleidung zu gewährleisten. Dies unterstützt die Selbständigkeit deines Kindes beim Anziehen und hält den Schrank immer aufgeräumt.

Achte darauf, das Kinderzimmer regelmäßig zu reinigen und zu lüften, damit dein Kind sich wohl fühlt und gerne darin spielt. Ein sauberer und gut organisierter Raum fördert die Konzentration und das Wohlbefinden.

Die Anwendung dieser Tipps kann dir helfen, ein Montessori-freundliches Zuhause zu schaffen, in dem dein Kind sich sowohl spielerisch als auch persönlich entfalten kann. Je besser du die Umgebung organisierst und gestaltest, desto mehr profitiert dein Kind von der Montessori Methode und den Möglichkeiten, die sie bietet.

Spielsachen organisieren und lagern

Beim Organisieren von Montessori Spielzeugrotation ist es wichtig, dass du eine praktische und übersichtliche Methode zur Aufbewahrung und Präsentation der Spielsachen findest. Hier sind einige hilfreiche Tipps, um dein Zuhause kinderfreundlich und ansprechend zu gestalten.

Verwende Körbe, Boxen und Regale: Körbe und Regale erleichtern die Organisation und das Auffinden von Spielsachen. Du kannst handelsübliche Regale und Körbe nutzen, um Spielzeug, Bücher und Materialien übersichtlich zu lagern. Ich nutze die durchsichtigen Plastikboxen von IKEA und aus dem Baumarkt.

Sortiere nach Alter und/oder Kategorien: Ich habe meine Boxen einerseits nach Alter organisiert (vor Allem relevant, für das zweite Geschwisterkind) und nach Kategorien, wie Musikinstrumente, Puzzles, Sinnesmaterial, Bastelsachen. Auch wenn ich ansonsten nicht sehr ordentlich und organisiert bin, so liebe ich es, die Dinge in den Boxen zu verstauen. Ich habe sogar eine Box nur mit Boxen!?

Beschrifte deine Boxen: Beim ersten Mal habe ich diesen einfachen Schritt vergessen und musste dann doch mühselig einige Boxen öffnen, weil ich auf der Suche nach einem ganz konkreten Gegenstand war.

Nutze durchsichtige Gefrierbeutel: Für die vielen Kleinteile (auch Puzzles!) oder Sinnesmaterial nutze ich noch zusätzlich Gefrierbeutel. So habe ich z.B. alle kleinen Insekten-Spielfiguren beisammen und wenn wir eine Themenwoche zu Insekten machen, alle griffbereit. Auch Sinnesmaterial (wie loser Reis) kann so aufbewahrt und mehrmals wiederverwendet werden.

Säuberung und Spenden von Spielzeug

Beim Praktizieren der Montessori Spielzeugrotation ist es wichtig, dass du dich auch um die Säuberung und das Spenden von Spielzeug kümmerst. Dies hilft dir, Ordnung zu halten und gleichzeitig etwas Gutes für andere zu tun.

Zunächst solltest du die Spielzeuge, die dein Kind nicht mehr interessieren oder denen es nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkt, aussortieren. Dann ist es an der Zeit, sie gründlich zu reinigen. Achte darauf, jedes Spielzeug einzeln zu säubern, damit es in einem guten Zustand weitergegeben werden kann.

Nach der Reinigung kannst du die ausgemusterten Spielzeuge spenden. Du könntest sie zum Beispiel in einer Spielzeugecke in der Kita spenden oder bei einer lokalen Organisation abgeben, die Spielzeugspenden entgegennimmt. Achte darauf, dass das gespendete Spielzeug noch weitestgehend intakt und benutzbar ist, damit es anderen Kindern Freude bereiten kann.

Durch die Säuberung und Spenden von Spielzeug kannst du nicht nur die Montessori Spielzeugrotation in deinem eigenen Haushalt einführen, sondern auch das Spielen für andere Kinder bereichern. Das Gute daran ist, dass du dabei gleichzeitig selbstlos handelst, und dein Kind lernt, den Wert der Dinge zu schätzen.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte man Spielzeug wechseln?

Du musst nicht strikt jede Woche das Spielzeug wechseln. Im Montessori-Konzept gibt es keine feste Dauer für die Spielzeugrotation, aber es ist empfehlenswert, die Aktivitäten etwa alle 2-3 Wochen (oder so oft du Lust hast) zu rotieren.

Welches Spielzeug passt zum Montessori-Konzept?

Montessori-Spiele sind darauf ausgelegt, das Lernen zu fördern und die Sinne zu stärken. Sie bieten kindgerechte Herausforderungen und ermöglichen es den Kindern, selbständig nach Lösungen zu suchen. Einige Beispiele sind Lernspielzeuge, Holzbausteine, Rätsel und sensorische Materialien.

Wie finde ich altersgerechtes Montessori-Spielzeug?

Um altersgerechtes Spielzeug zu finden, solltest du dich auf die Entwicklungsstufe und die Interessen deines Kindes konzentrieren. Beachte auch die grundlegenden Montessori-Prinzipien und suche nach Spielzeug, das Selbstständigkeit, Konzentration und praktischen Fähigkeiten fördert.

Was sind die Vorteile von Montessori-Spielzeug?

Montessori-Spielzeug bietet verschiedene Vorteile wie die Förderung von Selbstständigkeit, Konzentration, Feinmotorik und kreativem Denken. Da jedes Spielzeug auf bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten abzielt, kannst du die individuellen Bedürfnisse und Entwicklungsbereiche deines Kindes gezielt unterstützen.

Kann man Montessori-Spielzeug mieten?

Ja, es gibt Anbieter, die Montessori-Spielzeug zur Miete anbieten. Das gibt dir die Möglichkeit, verschiedene Spielzeuge auszuprobieren, bevor du dich für einen Kauf entscheidest. So kannst du herausfinden, welches Spielzeug am besten zu deinem Kind passt, ohne großen finanziellen Aufwand.

Gibt es Abonnements für Montessori-Spielzeug?

Ja, es gibt verschiedene Abonnement-Dienste, die regelmäßig Montessori-Spielzeug nach Hause liefern. Das hilft dir dabei, immer wieder neues, an die aktuellen Bedürfnisse deines Kindes angepasstes Spielzeug anzubieten. Im Rahmen eines solchen Abonnements werden in der Regel altersgerechte und thematisch passende Spielsachen ausgewählt und direkt zu euch nach Hause geliefert.

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Authorin Maria Spilka
Die Autorin

Hi, ich bin Maria und seit 2018 eine Montessori Mom. Mit meinen beiden Kindern (geboren 2018 und 2023) und meinem Partner leben wir unseren Familienalltag Montessori-inspiriert und reisen aktuell um die Welt. Ich fand in Montessori eine erfüllendere Mutterrolle für mich und einen empowernden Erziehungsansatz für meine Kinder.